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Wölfe in Deutschland
Von Thomas Timm
Der Wolf war bis zur Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Er war in ganz Europa und Asien bis nach Nordafrika sowie in Nordamerika beheimatet. In weiten Teilen dieses einst riesigen Verbreitungsgebietes, besonders im westlichen Europa und in Nordamerika, wurde die Art durch menschliche Verfolgung ausgerottet. In Osteuropa, auf dem Balkan, in Kanada, Sibirien, der Mongolei und im Iran gibt es noch größere Populationen. Ansonsten ist der Wolf heute nur in isolierten Beständen (manche umfassen weniger als 100 Tiere) anzutreffen. Wölfe bewohnen eine Vielzahl von Habitaten. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit lässt sie in der arktischen Tundra ebenso leben wie in den Wüsten Nordamerikas und Zentralasiens. Die meisten Wölfe bewohnen Grasland und Wälder. Dass sie vor allem als Waldtiere bekannt wurden, liegt daran, dass der Mensch sie in großen Teilen des Verbreitungsgebietes frühzeitig aus offeneren Landschaften vertrieben hat. In vielen Teilen der Welt, in denen der Wolf noch vorkommt, wird er auch heute aktiv verfolgt. Allerdings setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass der Wolf keine Gefahr für den Menschen oder seine Landwirtschaft darstellt; vielmehr wird der Wolf zunehmend im Rahmen der Naturschutzbemühungen als ein willkommener Bestandteil der Tierwelt gesehen. Verbreitung in Deutschland Der auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik vorläufig letzte frei lebende Wolf wurde am 27. Februar 1904 in der Lausitz erschossen. Seit den 1990er Jahren sind immer wieder Wölfe über die polnische Grenze nach Deutschland eingewandert und hielten sich bevorzugt auf aktiven oder ehemaligen Truppenübungsplätzen auf. Zwischenzeitlich sind die Wölfe in der Lausitz (Sachsen und Brandenburg) wieder heimisch geworden. Man geht davon aus, dass dort in vier Rudeln (Sachsen) und einem Paar (Brandenburg) etwa 25 erwachsene Tiere leben. Im Mai 2008 sind in den Rudeln auch Welpen geboren wurden (Stand: 13. Mai 2008). Mit der wachsenden Gesamtpopulation und seiner langsamen Ausbreitung kann bei weiterem erfolgreichen Schutz davon ausgegangen werden, dass der Wolf in Deutschland wieder dauerhaft ansässig wird. Allerdings fordern einzelne Jäger und Jägervertreter in der Lausitz eine Übernahme des Wolfes in das Jagdrecht und eine kontrollierte Bejagung der dort lebenden Wölfe. Obwohl sie streng geschützt sind, gab es seit 1990 mindestens 10 Abschüsse von Wölfen in Deutschland. Beispielsweise wurde im August 2007 eine 15 Monate alte Wölfin illegal in der Nähe von Luckau (Landkreis Dahme-Spreewald) abgeschossen. Am 15. Dezember 2007 wurde in einem Wald bei Gartow (nahe Gorleben, Landkreis Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen) während einer Gesellschaftsjagd ein 37 Kilogramm schwerer, männlicher Wolf von zwei auswärtigen Jägern getötet. Die Täter gaben an, das Tier wäre bereits angeschossen gewesen und hätte gelahmt. Gegen sie wurde ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen Naturschutzrecht eingeleitet. Bei Süsel in Schleswig-Holstein wurde am 23. April 2007 ein junger Wolfsrüde von einem Auto überfahren. Dabei handelte es sich um den ersten Wolfsnachweis im Bundesland Schleswig-Holstein seit 187 Jahren. Genetische Untersuchungen an der Universität Kiel haben gezeigt, dass der Wolf mit sehr großer Wahrscheinlichkeit aus einem Rudel in der Lausitz oder Westpolen stammte. Auch in Mecklenburg-Vorpommern werden seit mehreren Jahren regelmäßig Wölfe beobachtet, mehrfach wurden Schafe gerissen. Über die genetische Analyse auf Basis von Losungsproben, die im Zeitraum zwischen April und Juni 2007 bei Lübtheen gesammelt wurden, konnte ein männlicher Wolf identifiziert werden, dessen Genotyp nicht dem der Wölfe in der Lausitz ähnelt. Der Lübtheener Wolf dürfte daher nicht aus der Lausitz, sondern direkt aus Nordwestpolen eingewandert sein. Im Mai 2008 wurde ein Wolf im Reinhardswald (Hessen) fotografiert. Ob es sich dabei um ein territoriales Tier handelt, ist unbekannt. Nachwuchs Bei den in der Lausitz lebenden Wölfen hat sich in diesem Jahr erneut Nachwuchs eingestellt. „Das Neustädter, das Nochtener und das Daubitzer Rudel haben ihre Kerngebiete auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz. Vermutlich wurden in diesen Rudeln in der ersten Maihälfte Welpen geboren. Südlich des Neustädter Rudels, im westlichen Teil des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide und Teichlandschaft, wurde am 18.06.08 ein ca. 4 Wochen alter Welpe nachgewiesen. Dass in diesem Gebiet ein Wolfspaar Welpen aufzieht, war bislang nicht bekannt“, sagte Jana Schellenberg vom Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (www.wolfsregion-lausitz.de). Gefahr für den Menschen?
Fälle, in denen gesunde wildlebende Wölfe Menschen angegriffen haben, sind noch seltener. Dabei handelte es sich zumeist um „habituierte“ Wölfe (Wölfe, die über einen längeren Zeitraum an Menschen gewöhnt wurden, z.B. durch Anfüttern) oder Provokation (Wölfe, die massiv bedrängt wurden). Zur realistischen Einschätzung des Gefährdungspotenzials, das von Wölfen gegenüber Menschen ausgeht, haben 18 führende Experten aus Ländern mit Wolfsvorkommen im Auftrag des Norwegischen Institutes für Naturforschung (NINA) im Jahr 2002 eine Studie erstellt (www.nina.no/archive/nina/Publikasjoner/oppdragsmelding/NINA-OM731.pdf, engl.). Die NINA-Studie, in die sämtliche existierende Literatur und das Wissen über Wolfsangriffe aus Europa, Asien und Nordamerika aus den letzten Jahrhunderten eingeflossen ist, gilt als das umfassendste und fundierteste Werk zu diesem Themenkomplex. Das Ergebnis der Studie lautet, dass von Wölfen keine Gefahr für den Menschen ausgeht. Menschen gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen.
Fazit: Die von vielen Medien immer noch verbreitete Angst vor Wölfen ist also unbegründet. Der Wolf hat eine weite Verbreitung in Deutschland verdient.
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