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Das Sterben der Bienen

Von Thomas Timm

 

Honigbienen liefern nicht nur süßen Brotaufstrich, sie gelten als das drittwichtigste Haustier, denn ihre Hauptaufgabe ist das Bestäuben von Obst-, Gemüse- und Wildpflanzen. Ein Drittel der menschlichen Nahrung ist direkt oder indirekt von Honigbienen abhängig. Aber was passiert, wenn es keine Bienen mehr gibt?

 

 

Seit Herbst 2006 verschwinden in den USA Millionen von Bienenvölkern. Über die Ursachen dieses geheimnisvollen Massensterbens rätseln Wissenschaftler weltweit. Großimker, die in Amerika mit Tausenden von Bienenvölkern quer durch das Land ziehen, um Obst- und Gemüsepflanzen zu bestäuben, erleben schon jetzt starke Einbußen. Hunderte von Millionen von Tieren haben ihre Stöcke verlassen und sind nicht zurückgekehrt. Bienenforscher stehen vor einem Rätsel. In einem Bienenstock, in dem vor wenigen Wochen rund 50.000 Bienen geschäftig summten, herrscht gespenstische Stille. Mit solch einem dramatischen Szenario machen immer mehr Imker in den USA Bekanntschaft. Meist ist nicht nur ein einzelner Bienenstock eines Züchters betroffen, sondern Hunderte oder Tausende. Die ersten Meldungen kamen im November 2006 aus Florida. Dort verlor ein Imker innerhalb weniger Wochen 2.000 seiner 3.000 Völker. Dieses Massensterben blieb kein Einzelfall. An der amerikanischen Westküste sind inzwischen rund 60 Prozent der Bienenvölker eingegangen, an der Ostküste sind es sogar über 70 Prozent. Bienenforscher haben dem Phänomen einen Namen gegeben. Sie sprechen von „Colony Collapse Disorder“, kurz CCD, in der Übersetzung etwa „Bienenvolk-Kollaps“. Die Symptome: Eine Kolonie, die kurz vor dem Zusammenbruch steht, hat viel zu wenige Arbeiterinnen und die sind auffallend jung. Meist gibt es zwar genug Vorräte an Pollen und Honig und die Königin legt sogar noch Eier, doch es fehlt an erwachsenen Bienen, die sich um die Brut kümmern. Und noch etwas passt nicht in das Schema einer gewöhnlichen Bienenkrankheit. Normalerweise werden kranke Bienenstöcke von anderen Insekten ausgeraubt. CCD-Stöcke stehen aber bis zu zwei Wochen leer, bis die Plünderer kommen. Außerdem finden die Forscher in und um den Bienenstöcken keine einzige tote Biene, wie es bei den bekannten Bienenkrankheiten der Fall wäre. Die Bienen sind einfach nicht mehr da. Das Drama um die Honigbienen hat in den USA eine handfeste volkswirtschaftliche Dimension. Viele Obst- und Gemüsesorten brauchen Bienen, damit sich aus den Blüten Früchte entwickeln: Kürbisse und Paprika, Äpfel, Mandeln und Birnen. Manche Anbauflächen hängen zu 100 Prozent von den fleißigen Insekten ab. Den durch Bienenbestäubung erwirtschafteten Wert schätzen Forscher allein für die USA umgerechnet auf bis zu 11 Milliarden Euro. Die Bestäubung ist in den USA eine Industrie: Mobile Imker fahren mit ihren Völkern im Lastwagen von Obstplantage zu Obstplantage, um die Blüten von den Bienen bestäuben zu lassen. Solche Großimker haben mehrere tausend Stöcke. Doch nun droht vielen von ihnen das Aus und langsam wird immer mehr Amerikanern bewusst, wie wichtig die Bienen für das Überleben der Landwirtschaft sind.

Sterben die Bienen auch in Deutschland?

Im Winter 2002/2003 gab es auch in Deutschland ein großes Bienensterben. Mitverursacher war damals die Varroamilbe. Über 30 Prozent der Bienenvölker wurden vernichtet, in manchen Regionen waren es sogar über 50 Prozent. Bei einem im April/Mai 2008 im Rheintal auftretenden Bienensterben von Tausenden von Bienenvölkern konnte als Ursache eindeutig das als Saatgutbeizmittel verwendete Pestizid Clothianidin nachgewiesen werden. Nachdem zunächst die Zulassung von clothianidinhaltigen Beizmitteln ausgesetzt worden war, hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Ende Juni die Zulassung einiger dieser Mittel für die Anwendung bei Raps wieder in Kraft gesetzt.

„Die Folgen des Bienensterbens sind nicht nur für uns Imker verheerend. Bienen sind auch für die Bestäubung vieler Kulturpflanzen in der Landwirtschaft extrem wichtig“, sagte Manfred Hederer, Präsident der Berufsimker. „Das Gift, das jetzt auf die Felder kommt, kann erneut große Schäden anrichten, auch wenn der Beize mehr Haftmittel beigemengt werden soll. Clothianidin und Imidacloprid bleiben auf dem Acker und jede neue Aussaat bringt mehr davon in die Umwelt.“

Ursachen?

Viele mögliche Ursachen werden genannt: Unterernährung oder Fehlernährung, Pestizide, Krankheitserreger und Immunschwäche, gentechnisch veränderte Nutzpflanzen, Mobilfunk und die Varroamilbe. Für Herrn Paetz von der Imkerei Drupshof gibt es nicht nur eine Ursache. Und er weist auf einen weiteren Punkt hin: „Die Bienen, mit denen in der Imkerei heute gearbeitet wird, sind nicht mehr die Bienen, die ursprünglich sind. Es sind in der Regel hoch gezüchtete Insekten, man könnte auch analog zu den Kühen von Turbo-Bienen sprechen, und ähnlich wie die Turbo-Kühe sind auch die Bienen wenig robust. Von der ursprünglich in Mitteleuropa heimischen Biene konnte man eine durchschnittliche Ernte in einem guten Jahr von ca. 20 kg Honig pro Volk erwarten, heute erwartet man von einem guten Bienenvolk mindestens 60-80 kg. Die Wehrhaftigkeit (ursprünglich konnten Bienen sich gegen vielerlei Feinde, große und kleine, verteidigen) ist bei dieser züchterischen Leistung auf der Strecke geblieben.“

Herr Paetz hat schon auf einigen Tagungen, Treffen und Veranstaltungen zu diesem Thema teilgenommen und wurde mit solchen Argumenten meist wohlwollend belächelt. Bienenzucht ist ein großes Geschäft, hochwissenschaftlich, hochspezialisiert, hochprofessionell. Dieser Ausrichtung entsprechend wird nach der „Hauptursache“ gesucht und geforscht. Das System wird nicht in Frage gestellt.

Noch ein letzter Satz von Herrn Paetz: „Bienen hat es schon gegeben, da lebten noch Dinosaurier auf der Erde, und ich denke, Honigbienen wird es auf dieser Welt noch geben, da wird es den Menschen schon lange nicht mehr geben, wenn wir nicht begreifen, dass wir mit der Natur leben müssen, nicht gegen sie.“

 
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